Faszination: Katzenaugen

16. September 2016

Wer nicht gerade passionierter Radfahrer ist, verbindet Katzenaugen
meist mit diversen Farben, einem speziellen Blick, den Pupillen der Katze
oder vielleicht auch mit einem Augenzwinkern …

Faszination: Katzenaugen – jeder Mensch reagiert anders

Neben dem eigentlichen Zweck der Augen,
haben diese auch immer eine ganz spezielle Wirkung auf uns Menschen.

Ich gebe zu, ich habe meine drei Katzen primär aufgrund ihrer Augen ausgewählt.
Neben der Farbe war für mich auch immer interessant,
wie die Katzenaugen im Gesicht „liegen“.

Es ist erstaunlich, aber dies macht (für uns Menschen) einen wesentlichen Teil
der Mimik einer Katze aus …

Jeder beurteilt eine Katze aufgrund ihrer Augen anders:
neugierig, forsch, schüchtern, zurückhaltend, Hilfe suchend, ….

Wenn man (seine) Katze(n) kennt, führt das bei manchen Gästen
immer wieder zu lustigen Kommentaren / Ergebnissen.

Matt wird mit seinen großen blauen Augen meist als forsch und frech eingeschätzt,
glänzt dafür aber mit der schlichten Farbe seiner Augen.

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Cleopatra ist meist total hilfebedürftig und „arm“,
dies ändert sich allerdings sehr schnell, wenn „das Monster“ (alias Staubsauger) ins Spiel kommt.
Der Blick ist übrigens wirklich typisch für eine Ägyptische Mau.

Manet dagegen schafft es irgendwie unauffällig zu wirken,
er ist immer der klassische Mitläufer in unserem Trio.

Katzenaugen und deren Entwicklung

Die Augen öffnen sich …

Katzen sind unmittelbar bei und nach der Geburt blind.
Erst nach etwa 7-8 Tagen öffnen sich die Augen des Kätzchens,
bis dahin wird ausschließlich der Geruchs- sowie der Tastsinn
zur Orientierung genutzt.

Anfangs sind alle Katzenaugen blau, die endgültige Augenfarbe einer Katze
entwickelt sich erst bis hin zur 12. Lebenswoche.

Ein bisschen Farbe gefällig?

Die Augenfarbe wird maßgeblich durch das Hormon Melatonin beeinflusst.
Dieses Hormon wird normalerweise nur nachts ausgeschüttet um (auch uns Menschen)
besser schlafen zu lassen.

Eine Ausnahme stellen hier die Wintermonate dar, durch den Mangel an Sonnenlicht
ist in diesen Monaten der Melatoninspiegel grundsätzlich höher.
Anmerkung:
Daher ist man in den Wintermonaten – zumindest subjektiv – auch müder.

Durch das Hormon Melatonin wird in den Pigmentzellen (Melanozyten)
der Regenbogenhaut (Iris) der Farbstoff Melanin produziert.

Je nach Anzahl der Pigmentzellen der Regenbogenhaut
und der produzierten Menge des Farbstoffes Melanin
entwickelt sich die endgültige Augenfarbe.

Verschiedene Augenfarben und ihre Entstehung

Blaue Augen entstehen durch das Fehlen von Pigmentzellen.
Das entspricht quasi dem Ursprungszustand der Augen bei der Geburt,
wo sich allerdings zu diesem Zeitpunkt, durch Ausbleiben des Farbstoffes Melanin
noch keine Farbe ausgebildet hat.

Blaue Augen sind im Prinzip farblos oder auch transparent.
Da allerdings durch die Linse im Auge das Licht gebrochen wird,
erschienen sie für uns blau.

Anmerkung:
Kein einziges Bild von Matt wurde übrigens bearbeitet, da dies oft gefragt wird.
Der Unterschied in der Farbe ergibt sich ausschließlich durch die Lichtverhältnisse 
aufgrund des oben beschriebenen Effekts. 

Katzen mit einer durchschnittlichen Anzahl an Pigmentzellen haben übrigens meist
die Augenfarbe grün in unterschiedlicher Ausprägung.
Je mehr Farbstoff (Melanin) produziert wird,
desto satter oder intensiver erscheint uns die grüne Farbe.

Haben die Katzen hingegen eine hohe Anzahl an Pigmentzellen
und eine hohe Produktion des Farbstoffes, verfärben sich ihre Augen
eher dunkel / kupferfarben.

Im Gegensatz zum Menschen gibt es bei Katzen allerdings keine
schokoladefarbenen und/oder schwarzen Augen.

Zwei Augen, zwei Farben?

Immer wieder ein wahrer Eyecatcher, im wahrsten Sinne des Wortes.
Tiere mit zwei verschiedenen Augenfarben …

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(c) Instagram / kedialos

Insbesondere bei Katzen mit weißem Fell sieht man dieses Phänomen häufiger,
aber was genau ist die Ursache?

Umgangsprachlich „Odd-eyed“ (merkwürdige oder seltsame Augen) genannt,
spricht man medizinisch von einer Iris-Heterochromie.

Bei diesem Phänomen sind die Pigmentzellen der Regenbogenhaut (Iris) gestört,
sodass es zu einer unabhängigen Entwicklung der Augenfarbe kommt.

In den meisten Fällen ist ein Auge immer blau
und das jeweilig andere grün, gelb oder kupferbraun.

Welche ist nun die „Originalfarbe“?
Dem blauen Auge fehlen die entsprechenden Pigmentzellen (wie oben beschrieben),
somit spiegelt immer das andere Auge die Originalfarbe wieder.

Anmerkung:
Iris-Heterochromie gibt es auch bei uns Menschen, allerdings sehr selten.
Meist ist dieses Phänomen beim Menschen auch nicht so ausgeprägt wie bei Tieren,
beispielsweise weicht der Farbton der beiden Augen nur etwas ab.

Die Augen einer Katze aus anatomischer Sicht

Ein „leuchtender Teppich“

Katzenaugen sind anatomisch perfekt für einen nächtlichen Jäger geschaffen.

Im Gegensatz zum Menschen haben Katzen im hinteren Bereich der Augen
noch eine zusätzliche Schicht, welche Spiegelschicht (lat. tapetum lucidum)
genannt wird.
Die Übersetzung des lat. Begriffs lautet übrigens „leuchtender Teppich“
und beschreibt die Funktion eigentlich recht gut.

Diese (Spiegel-) Schicht funktioniert wie ein Reflektor,
daher rührt übrigens auch der Begriff „Katzenaugen“
für die Reflektoren eines Fahrrades.

Licht fällt ein, wird von der Spiegelschicht reflektiert
und kann so nochmals verarbeitet werden.
Diese Schicht verursacht übrigens auch, dass Katzenaugen in der Nacht zu leuchten scheinen.
In Wahrheit „leuchten“ diese quasi immer, nur nehmen wir Menschen dies nur nachts wahr.

Diese Funktion ermöglicht es der Katze mit ungefähr 6-7 mal weniger Licht auszukommen,
um etwas zu sehen, als wir Menschen.

Herrscht allerdings „völlige Dunkelheit“ sind auch Katzen blind,
greifen allerdings dann auf ihre andere Sinne zurück.
Speziell der Tastsinn mittels den Tasthaaren (Vibrissen)
ermöglicht auch dann noch eine gute Orientierung.
Über den Tastsinn von Katzen haben wir übrigens hier
bereits einen Artikel verfasst.

Wissenswert:
Es gibt übrigens in der Natur keine „völlige Dunkelheit“,
ein gewisses Restlicht ist zu jeder Zeit vorhanden. 

Blickwinkel

Der Blickwinkel von Katzen beträgt in etwa 200 – 220°.
Eine Katze sieht also bis (fast) hinter ihre Ohren,
selbstverständlich ist es so auch möglich Beute,
welche sich seitlich annähert, wahrzunehmen.

Auch wenn viele widersprechen, können wir Menschen
im Vergleich nur ein Sehfeld von 180° aktiv abdecken.
Auch wenn wir glauben wir sehen „neben uns“ etwas,
so hilft uns in Wahrheit unbewusst unser Wahrnehmungssinn aus.
Man hat das „Gefühl“ neben sich etwas zu sehen …

Sehen Katzen in Farbe?

Ja, allerdings können feine Farbunterschiede nicht wahrgenommen werden.
Katzen haben weniger „Zapfen“ (Zelltyp, für präzise Farbwahrnehmung),
dafür allerdings mehr „Stäbchen“, welche eine Hell-dunkel-Wahrnehmung ermöglichen.

Eine Brille gefällig?

Fellnasen sehen nur in einer Entfernung von etwa zwei bis sechs Metern richtig scharf.
Dies ist gleichzeitig die Distanz, in welcher sich Katzen hauptsächlich bewegen,
um Beute zu fangen.

Katzenaugen sind für das Fangen von Beute ausgelegt und reagieren
primär auf Bewegungen, ein Scharfsehen ist hierfür nicht erforderlich.

Gegenstände (unbeweglich) welche 25 cm und näher von der Katze entfernt sind,
werden meist gar nicht oder unscharf wahrgenommen.

Mit den Augen einer Katze sehen …

Der Künstler Nickolay Lamm hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern
und Tierärzten nach einer Antwort auf diese Frage gesucht.

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Oben: Mensch – Unten: Katze
Nickolay Lamm/ Kerry L. Ketring/ DVM/ DACVO of All Animal Eye Clinic/ DJ Haeussler of The Animal Eye

Das Ergebnis ist eine Reihe von faszinierenden – digital bearbeiteten – Bildern.
Also als Mensch wäre es wohl eigenartig, plötzlich wie eine Katze zu sehen, oder?

Die Pupillen einer Katze

Die Pupillen einer Katze können sehr stark verändert werden
und dienen gleichzeitig als eine Art „Augensprache“.

Die Pupillen haben – wie bei uns Menschen – eine gewisse Schutzfunktion
für das Katzenauge.
Beispielsweise werden die Pupillen bei starkem Lichteinfall stark verkleinert,
um die Wirkung der Spiegelschicht (Reflexion im Inneren des Auges) zu minimieren.
Umgekehrt werden selbige bei geringem Licht weit geöffnet,
um das vorhandene Restlicht optimal nutzen zu können.

Die „Sprache“ der Pupillen / der Katzenaugen

Gleichzeitig sagt die Größe der Pupillen aber auch viel
über die Stimmungslage einer Katze aus.

Pupillen werden erweitert um Gegenstände zu fixieren, als Zeichen von Freude
zusätzlich jedoch aber auch aus einer Abwehrhaltung oder aus Angst heraus.

Will die Katze aggressiv und dominant auftreten,
sind die Pupillen meist stark verkleinert.

Wenn eine Katze blinzelt, ist dies ein Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft.
Besonders toll ist, dass wir Menschen das ganz einfach kopieren können.

Ein beliebtes Spiel bei uns ist auch: „Wer blinzelt als Erster?“
Probiert es doch einfach einmal selbst mit Eurer Katze aus,
aber gleich vorweg Ihr solltet schon ein wenig Zeit mitbringen … *blinzel*

Zusätzlich entdeckt man im täglichen Zusammenleben mit einer Samtpfote
unzählige Blicke, welche für ganz bestimmte Zwecke „reserviert“ sind.
Es kann sich also auch für uns Menschen durchaus lohnen,
der Katze einmal näher in die Augen zu schauen … ;-)

Fun Fact zu diesem Artikel

Es gibt tatsächlich keinen deutschen Wikipediaeintrag,
welcher sich mit der Funktion und Anatomie von Katzenaugen beschäftigt.

Gleichzeitig allerdings gibt es einen sehr langen Artikel,
welcher sich „Katzenaugen“ als Reflektoren für Fahrräder widmet.


Auch wenn dieser Artikel der Reihe „Katzenbasics“ anstatt am Dienstag,
nun verspätet erscheinen wird, hoffen wir Euch mit genügend Informationen
zum Thema Katzenaugen versorgt zu haben.

Als interaktiver Blog möchten wir im Rahmen dieses Artikels entweder

a) mehr über Euren magischsten Katzenaugenmoment wissen oder
b) die Augen Eurer Katzen sehen.

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Liebe Grüße und Schnurrer

FelixCleopatraManet & Matt

Bildquellen:
siehe Bildunterschriften

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2 Kommentare

Schnurr uns was ....